Cross Country: Nach Verletzungspause die grosse Unbekannte: Florian Vogel

Der sympathische Schweizer MTB Profi vom Focus XC Team kehrt nach einer Knieverletzung zurück und ist bescheiden, was seine Form angeht.

Im Rahmen der zweiten Runde des Mountainbike Cross Country Weltcup in Albstadt traf Sebastian Weinert den Schweizer Mountainbike-Profi Florian Vogel und sprach mit ihm über dessen Fitness-Level, die Strecke auf der Schwäbischen Alb und nicht zuletzt darüber, ob Julien Absalon – Dauerbrenner und Erfolgsgarant aus Frankreich – tatsächlich sein Bike nach dieser Saison an den Nagel hängt, wie er das vor kurzem bereits zum zweiten Mal verkündet hat.

RadioRadsport: Hallo Flo — Du steigst mit Albstadt im Mai relativ spät ins Weltcup-Geschehen ein. Dein Frühjahr war gut, aber Dir fehlen ein paar Wochen Training; wie kam es dazu?

Florian Vogel: “Ich habe mir vor drei Wochen das Knie verletzt und musste zwei Wochen pausieren. Sicherlich keine optimale Vorbereitung, aber auch nicht so schlecht für die kommenden Weltcups und die zweite Saisonhälfte.”

RadioRadsport: Wie schaut eine normale Trainingswoche bei Dir aus?

Florian Vogel: “Eine normale Trainingswoche beinhaltet im Schnitt etwa 20 Stunden. Ich trainiere sehr viel zweiphasig; das heißt, ich mache mehrere Einheiten am Tag, meistens zwei, teilweise sogar drei. Drei mal in der Woche etwas Intensiveres, wie Intervalle und auch viele off-road Intervalle im Gelände und natürlich auch eine bis zwei längere Einheiten. Länger heißt hier dann – nicht wie im Straßenradsport sieben oder sogar acht Stunden – das sind bei mir dann drei bis vier, vielleicht auch mal fünf Stunden.”

RadioRadsport: Und im Winter?

Florian Vogel: “Ja, im Winter ist der Umfang eher noch etwas höher, die Intensität dafür etwas tiefer. Allerdings ist es nicht mehr so wie früher, das man im Winter gar keine Intensität einbauen würde, das ist mittlerweile nicht mehr so. Man fährt auch im Winter Intervalle; allerdings fährt man dann vielleicht mehr an der Schwelle und nicht ganz so intensiv wie im Sommer. Im Winter mache ich durchaus auch alternative Sportarten wie Laufen, Ski-Langlauf oder Skitouren-Gehen. Aber grundsätzlich ist auch im Winter der Trainingsschwerpunkt auf dem Rad.”

RadioRadsport: Hat ein Mountainbike-Profi Freizeit?

Florian Vogel: “Man hat auch Freizeit, logischerweise. Es ist sicher nicht wie ein normaler Job, in dem man von morgens um sieben bis nachmittags um fünf arbeitet. Es ist vielleicht etwas anders strukturiert: Man ist viel zuhause, man ist aber auch viel weg. Wenn ich zuhause bin, dann habe ich mehr Zeit für die Familie, wobei das Training dann schon einen sehr großen Teil einnimmt. Und Radfahren ist neben meinem Beruf eben auch mein Hobby … Radsport ist ein sehr großer Teil in meinem Leben. Ich bin eben auch großer Radsport-Fan und interessiere mich für andere Disziplinen und andere Events (Anm. d. Red.: als ausschließlich für Cross Country). Das ist eben nicht nur ein Beruf; darum begebe ich mich eben auch in meiner Freizeit aufs Rad.” (lacht)

RadioRadsport: Kurz zu Julien Absalon, dem Dauersieger der letzten 15 Jahre im Cross Country: Vor kurzem ging die Meldung durch die Medien, dass er aufhört. Was denkst Du, macht er diesmal ernst?

Florian Vogel: “Ich kann mir gut vorstellen, dass er seine Meinung noch einmal ändert. Es könnte sein, dass er noch ein oder zwei Jahre anhängt. Er fährt nach wie vor ganz vorne mit. Und da gibt es dann meiner Meinung nach zwei, drei verschiedene Szenarien: Entweder, es läuft dieses Jahr super und er kommt immer besser in Fahrt. Dann, denke ich, ist die Chance höher, dass es in Richtung Aufhören geht. Wenn er aber vielleicht keine optimale Saison hat, kann ich mir gut vorstellen, dass er noch eine Saison hinten dran hängt. Oder gar zwei. Es wird sicher nicht einfacher ganz vorne mitzufahren, je älter man wird und die Konkurrenz wird auch von Jahr zu Jahr immer größer. Es kommen immer viele junge Fahrer nach, die sehr stark fahren und vielleicht technisch das Niveau anheben. Aber momentan ist Julien auf solch einem hohen Level (auch wenn er im Moment nicht in Top-Form ist), aber in Nove Mesto war er immerhin Dritter. Und er hatte da keinen so guten Tag. Wenn er in Top-Form ist und keine Allergie-Probleme hat, es optimal läuft und ihm die Strecke auch noch in die Karten spielt, dann ist er nach wie vor ein ganz heißer Kandidat. Ich denke auch die Weltmeisterschaften in Cairns (Australien) sind auf einer für ihn sehr guten Strecke. Ich denke schon, dass er da um den Titel mitkämpfen wird. Er hat alles erreicht und er fährt schon sehr sehr lange, aber ich denke, es macht ihm einfach sehr viel Spaß, weil er vor zwei Jahren ja auch einen Rückzieher gemacht hat, als er schonmal aufhören wollte. Es spricht eigentlich nichts dagegen, dass er auch nächstes Jahr noch vorne mitfahren könnte. Lassen wir uns mal überraschen.”

RadioRadsport: Und Du? Wie lange fährst Du noch?

Florian Vogel: “Ja sicher, das ist schon etwas, was jetzt langsam präsent wird. Ich bin ja jetzt 35 und fahre auch schon sehr viele Jahre und da ist das logischerweise auch hin und wieder ein Thema. Nächstes Jahr werde ich mich nochmal voll auf Cross Country konzentrieren. Was danach kommt, ist momentan noch nicht ganz klar, aber Radsport ist wie gesagt ein großer Teil von meinem Leben und sicher würde ich sehr viel Rad fahren, wenn ich nicht Profi wäre. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich noch andere Herausforderungen suche – vielleicht auch als Rennfahrer – vielleicht geht es auch in Richtung Marathon oder Etappen-Rennen, da gibt es sicher viele Optionen. Momentan konzentriere ich mich aber noch auf diese und nächste Saison. In der nächsten Saison sind die Weltmeisterschaften auch in der Schweiz, was für mich natürlich auch nochmal ein sehr großes Ziel ist. Wenn ich es schaffe, mich diese und nächste Saison dafür zu qualifizieren und gut zu fahren, dann wäre das meine 20. Weltmeisterschaft am Stück. Das wäre für mich schon so ein Punkt an dem man sich überlegen muss, ob man weiter macht und wie man weitermacht; im Moment geht es aber noch eine Weile, bis es so weit ist.”

RadioRadsport: Du hast ja die Website “velocoach.online” gestartet. Bitte umreiss kurz, um was es dabei geht.

Florian Vogel: Ja, das ist solch ein Projekt von mir und meinem Freund Martin Gujan und das geht mehr in die Richtung Coaching. Wir wollen das sehr gerne weiter ausbauen, aber im Moment haben wir einfach nicht genügend Kapazitäten. Wir haben das - naja ich würde nicht sagen unterschätzt – aber es ist eben schon ein ganzes Stück Arbeit. Wir haben das aufgegleist und sind auch sehr zufrieden darüber, wie es momentan läuft. Das Ziel wäre schon, das in ein paar Jahren auszubauen. Wir beschäftigen uns ja schon sehr lange mit Trainingsphilosophien und haben beide eine Trainerausbildung absolviert und daher ist es schon unser Ziel, es wachsen zu lassen.

RadioRadsport: Drei Worte zur neuen Strecke in Albstadt…

Florian Vogel: Die Charakteristik ist sehr ähnlich mit der alten. Der neue Teil ist auf jeden Fall als positiv zu bewerten; es macht die Strecke vor allem für die Zuschauer attraktiver. Es ist eine schöne Passage, die da eingebaut wurde und die vor allem einfach spektakulär aussieht. Aber rein von der Charakteristik ändert es die Strecke eben nicht sehr stark: Es ist auf jeden Fall eine harte Runde, weil sie kurze sehr steile Anstiege hat und der Rhythmus einfach sehr hoch ist, den man fahren muss. Ich denke, die Strecke liegt mir, ich habe gerne steile Anstiege und von dem her passt mir das. Mein Material passt und das Focus Raven Hardtail ist perfekt für diese Runde, da die Runde ja komplett gebaut wurde und nicht sehr viele Schläge hat. Ich hoffe, dass mir meine Erfahrung etwas zugute kommt, im Gegensatz zu meinem Trainingsrückstand wegen der Verletzung und ich mich vielleicht gar nicht so schlecht schlage. Aber wir sehen es ja morgen.

RadioRadsport: Danke Dir für das nette Gespräch und viel Erfolg für morgen.

Florian Vogel: Ja bitte, gerne.