Kategorie: Straße

Tour de France und co.

  • Rennradreise ins Piemont

    Rennradreise ins Piemont

    Vom 27. Mai bis 1. Juni 2018 — für weitere Informationen klicken Sie bitte hier http://www.radioradsport.de/piemont/

  • RadioRadsport jetzt auch als Podcast

    RadioRadsport jetzt auch als Podcast

    Die Rennberichte von RadioRadsport gibt es jetzt zum Nachhören unter diesem Link. Viel Spaß!

  • Was macht eigentlich Jens Voigt?

    Was macht eigentlich Jens Voigt?

    RadioRadsport: Jens, an welche Momente denkst Du besonders gerne zurück, wenn Du an Deine Karriere denkst?

    Jens Voigt: Es gibt sicherlich zwei drei Rennen aus meiner Jugend, auf die ich besonders stolz bin. Ich bin ja aus den Neuen Bundesländern und damals war Mecklenburg noch in drei Bezirke aufgeteilt: In Rostock, Schwerin und Neubrandenburg; ich lebte ganz im Norden in Rostock. Mein erster Wettkampf war ein Bergzeitfahren in Binz, auf der Insel Rügen. Dort ging es rauf zum bekannten Jagdschloß. Da hab ich mein erstes Rennen nach nur vier Wochen Training gleich gewonnen. Daran erinnere ich mich heute noch.

    RadioRadsport: Was hat Dir nach Tiefen, wie z.B. nach Deinem schweren Sturz bei der Tour 2009 auch immer wieder Stärke gegeben?

    Jens Voigt: Ich bin ein großer Anhänger der Theorie, dass Du das Schicksal selbst in den Händen hast. Ich lag nach dem Unfall im Krankenhaus und wurde ja auch an mehreren Stellen genäht und verarztet und versorgt. Abends, so gegen neun oder zehn war ich dann nach der Narkose wieder halbwegs beieinander und habe dann versucht meine Finger, Hände, Arme, Beine und Füße zu bewegen – zwar noch unter Schmerzen – aber da war mir klar, dass nichts kaputt ist, was nicht im Laufe der Zeit heilen würde oder repariert werden könnte. Klar gibt es Zufälle, die man nicht beeinflussen kann. Aber im Großen und Ganzen bin ich der Meinung, dass Du für Dein Schicksal alleine verantwortlich bist und ich wollte nicht fremd bestimmt aufhören durch einen Unfall, der mir die Entscheidung aus den Händen nimmt, wann und wie ich aufhöre. Ich wollte wieder aufstehen und sagen, ich bin ich und das ist mein Schicksal und ich will und werde weiter fahren. Am Ende des Tages werde ich sagen, jetzt ist der Zeitpunkt aufzuhören, weil der Zeitpunkt gekommen ist, wo es genug für mich ist — das habe ich dann auch so getan. Andernfalls wäre ich mir immer wie ein Feigling vorgekommen, wie jemand der weggelaufen ist.

    RadioRadsport: Nun ist ja die stressige Zeit vorüber, in der Du – renn- und trainingsbedingt – mehr auf Reisen warst, als daheim. Was machst Du nun täglich mit Deiner vielen Zeit? Wie und wo lebst Du nach Deiner Karriere? Du hast doch jetzt viel mehr Zeit als je zuvor — Du bist doch jetzt im Ruhestand.

    Jens Voigt: Das Wort Ruhestand gehört eigentlich nominiert; zum Unwort des Jahres, des Jahrzehnts oder Jahrhunderts! Ruhestand ist ein völlig irreführender Begriff. Es müsste eigentlich „Stressstand“ oder „Mehr Arbeitsstand“ heißen, aber nicht „Ruhestand“. Ruhiger geworden ist es auf keinen Fall: Die ganz normalen häußlichen Pflichten kann man jetzt mehr wahrnehmen, das ganz normale Leben hat mich jetzt sozusagen eingeholt. Die Ausreden „Nein, Papa muss seine Beine schonen“ oder „Papa muss jetzt trainieren fahren“ oder „Papa darf das und das nicht essen“, usw. weil ich morgen ein schweres Rennen habe, ziehen jetzt alle nicht mehr, weil ich mich jetzt nicht mehr schonen muss. Jetzt heißt es – was immer von mir verlangt wird, „jawohl Chef“ und dann muss das gemacht werden. Die Kinder wollen spielen, die Kinder wollen in den Garten, die Kinder wollen auf das Trampolin oder in den Zoo. Es gibt jetzt in dem Sinne keine Entschuldigung mehr, dieses oder jenes nicht zu tun; das Leben ist auf jeden Fall deutlich stressiger geworden. Meine Frau und ich haben ja sechs Kinder und da ist das schon eine gigantische Herausforderung und wirklich viel, die Kinder groß zu kriegen.

    RadioRadsport: Wo soll es für Dich zukünftig hingehen? Hast Du Nahziele oder Fernziele?

    Jens Voigt: Ein Ziel das mir am Herzen liegt, ist einfach nicht dicker zu werden! 33 Jahre Radsport, davon 18 Jahre als Profi. Da war es mein Job oder meine Aufgabe nicht dicker zu werden, bzw. fit stark und gesund zu bleiben. Diese Herausforderung ist jetzt nicht mehr da oder zwingend notwendig. Trotzdem will ich ein sportlich gesundes Gewicht halten, auch wenn ich sicher nie wieder so dünn sein werde wie direkt nach der Tour, das ist ja ganz klar. Ich möchte zumindest nicht, dass ich eine Wanne kriege und das mir meine Jeanshose nach wie vor passt! Ja und ich habe jetzt verschiedene Projekte: Ich bleibe bei Trek und werde dort als Markenbotschafter, als Sportlicher Leiter und als Motivations-Coach für die jüngeren Fahrer tätig sein. Der Firma Trek werde ich helfen, Material zu entwickeln und zu testen, sei es Kleidung, Schuhe, Helme oder Rahmen. Dann schreibe ich immer noch mein Buch, welches erstmal in englisch rauskommen wird. Wir versuchen es zur Tour, bzw. zu Weihnachten 2015 in den Handel zu bekommen. Dann habe ich noch meine T-Shirt-Firma, wo wir weitere Produkte mit aufnehmen und auch im Frühjahr oder Sommer einen Satz Radklamotten, sprich Rennhose, Renntrikot herausbringen. Und irgendwann will ich noch die S-Lizenz in der Schweiz machen. Es steht also genug an!

    RadioRadsport: Was sind Deine Wünsche?

    Jens Voigt: Persönliche Wünsche. Naja, in den 33 Jahren Radsport, bzw. 18 Profijahren hatte ich ja genug Zeit und Möglichkeiten mir alle Wünsche zu erfüllen, im sportlichen Bereich, das war einfach eine gute lange Karriere; da ist nicht wirklich viel übrig geblieben, da bin ich eher bescheiden: Ein bisschen Glück und Gesundheit mit der Familie und das wars eigentlich schon… obwohl, ich würde gerne noch ein bisschen erfolgreicher angeln, das ist noch ein Wunsch (lacht) … ich angle gerne, aber leider nicht so erfolgreich. Ich fange mal was kleineres, aber ich würde gerne mal einen Meter-Hecht fangen! Das ist noch so ein Wunsch, den ich habe.

    RadioRadsport: Danke für das nette Gespräch Jens und alles Gute!

    WEITERFÜHRENDE LINKS
    Jens Voigt auf Twitter: https://twitter.com/thejensie
    Ergebnisse und weitere Details auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Voigt

  • Rennkalender 2015 Straße Männer

    Rennkalender 2015 Straße Männer

    Die drei Grand Tours gehören zu den Highlights des Straßenradsports jedes Jahr, doch sind bei weitem nicht alles, was die UCI World Tour hergibt. Der Kalender ist terminiert und die Rennen für 2015 stehen fest.

    Tour of Bejing fällt weg

    Gleich vorweg, große Überraschungen sucht man eher vergeblich auf der Liste der Rennen. Eine Änderung gibt es dennoch, die Tour of Bejing, 2014 noch das letzte Event des Rennjahres, fällt dieses Jahr weg. Der Rennsportverband bedankt sich für die vier gelungen Jahre in Peking und sieht dank der Tour of Bejing einen großen Fortschritt im professionellen Radsport Asiens. Der Rest des Programms liest sich wie gehabt. Das Rennjahr startet mit der Tour Down Under in Australien im Januar, bevor sich der Fokus nach Europa richtet. Dort spielt sich auch das Hauptprogramm der World Tour ab. Zusammen mit den Landesrundfahrten, fernab der Grand Tours, wie die Tour de Pologne und der Tour de Suisse. Wie auch schon 2014 überschneidet sich  im Juni die Schweizer Rundfahrt mit dem Critérium du Dauphiné, bevor der Juli wieder ganz der Tour de France gewidmet ist.

    Außer der Tour Down Under gibt es, nach dem Wegfall der Tour of Bejing, außerhalb Europas nur noch die zwei World Tour Rennen in den kanadischen Städten Quebec und Montreal im September. Den Abschluss im Oktober bildet somit das Rennen Il Lombardia in Italien. Die Kontinuität bedeutet auch, dass Deutschland wieder mit den Vattenfall Cyclassics im Kalender der UCI vertreten ist.

    Straßen-WM in der Hauptstadt Virginias

    Als Kontrast zur Europa-lastigen World Tour, findet die Straßen-WM dieses Jahr in Richmond, der Hauptstadt Virginias im Nordosten der USA, statt. 450.000 Zuschauer erwartet die 217.000-Einwohner Stadt zu dem Event, das zuletzt 2007 in Deutschland, genauer in Stuttgart statt fand. Ob Tony Martin nach seinem, aus eigener Sicht, enttäuschenden zweiten Platz im Einzelzeitfahren dieses Mal wieder zu Gold fahren kann wird sich zwischen dem 19. und 27.9. heraus stellen.

  • Der Mann hinter RadioRadsport

    Der Mann hinter RadioRadsport

    Jeder Erfolg ist eine Verabredung mit dem Zeitpunkt, der ihn zulässt. Wenn man sich die bisherige Lebensgeschichte von Sebastian Weinert zu Gemüte führt, dann trifft das Zitat Wolfgang Joops wohl voll ins Schwarze.

    München, später Vormittag, Maximilianstraße. Sebastian Weinert sitzt im Büro seiner Softwarefirma cs&m vor einem Laptop. Wind und Regenschauer peitschen an die Scheiben des Zimmerfensters. Vom weiß-blauen Himmel über der bayrischen Landeshauptstadt ist nichts zu sehen. „Gutes Arbeitswetter“, sagt der junge Unternehmer und tippt noch schnell eine E-Mail zu Ende.

    Zwischen Bayern und Berlin

    Aufgewachsen am Starnberger See südlich von München besuchte Sebastian Weinert die Grundschule in Schondorf, einem kleinen beschaulichen Ort inmitten des oberbayerischen Idylls. Hier sollte er allerdings nicht lange bleiben, seine Eltern hatten andere Pläne. Der Vater bekam ein neues Job-Angebot, im befremdlichen betongrau der Bundeshauptstadt Berlin. „Nach der Grundschule zogen meine Eltern mit mir und meinem Bruder nach Berlin, wo ich dann auch meine gesamte Restschulzeit und Jugend verbrachte,“ sagt Weinert. Dort geht der heute 33- jährige Sohn eines Ingenieurs und einer Sekretärin einen Weg, der auch seine beruflichen Ambitionen für die Zukunft beeinflussen sollte.

    Der Weg zum Radsport

    Weinert fand Gefallen am Radsport, zuerst im Amateurbereich, später dann semi-professionell. Sein Taschengeld verdiente er sich mit der Arbeit in einem Fahrradladen sowie als Kurierfahrer in Berlins City. Die Leidenschaft für den Radsport intensivierte sich,  er trat einem Verein bei und wurde mit Anfang 20 Berliner Meister im Mountainbiken. Großes Interesse an einer Profikarriere hatte der heutige Unternehmer damals allerdings nicht.  „Ich habe einfach gemerkt, dass ein Trainingspensum von 30 Stunden pro Woche und mehr kaum noch mit einem normalen Leben vereinbar ist. Du bist ständig unterwegs, kannst aber trotzdem nicht wirklich davon leben. Mit Anfang Zwanzig stellt man sich dann die Frage, ob es vielleicht nicht sinnvoller wäre, doch noch zu studieren.“

    Vom Sport zum Abitur

    Dies tat er dann auch. Mit 26 Jahren holte Sebastian Weinert sein Abitur an der Abendschule nach und begann im Anschluss BWL zu studieren. Seine, wie er selbst sagt, „aktive Fahrradzeit“, legte er damit auf Eis.
    Um sich u.a. sein Studium zu finanzieren, meldete er ein Gewerbe an und arbeitete an kleineren Softwareprojekten und gab IT-Support für Firmen und Privatpersonen. Eigentlich eine eher überraschende Veränderung in seinem Leben. Denn mit Computern hatte er bis Anfang Zwanzig wenig zu tun gehabt. „ Ich hatte, bis ich 17 war, noch keinen PC und auch keinerlei Interesse in dieser Richtung,“ gibt er schmunzelnd zu. Erst als er dann doch einen Computer für die Komplettierung einer Semesterarbeit benötigte, beschäftigte sich Weinert zwangsweise mit Windows und Co. Durch diverse Nebenjobs tauchte er dabei immer tiefer in die Materie ein, bis er irgendwann mit den bekannten Worten „Du kennst Dich doch da aus“ konfrontiert wurde.
    „Von da an hat sich die ganze Sache eigentlich immer stetig weiterentwickelt und ich begann zusammen mit Kommilitonen eine kleine GbR im Softwarebereich zu betreiben.“
    Das Unternehmenskonzept entwickelte eine Eigendynamik, wuchs und wurde immer größer. Im Februar 2002 avancierte die GbR zu einer GmbH. Mit gleich zwei Standorten: Berlin und München. Weinert zog es mit Anfang 30 nach München, in die Weltstadt mit Herz. „In Berlin kann ich nicht lange bleiben. Nach drei Tagen ist der Akku leer und es zieht mich zurück in den Süden“ sagt er und fügt hinzu: „Ich fühlte mich einfach nicht heimisch dort.“

     

    Von der kleinen cs&m zu einem Mittelständler

    Corporate System & Management – der Slogan von cs&m steht inzwischen für eine auf fast 20 Mitarbeiter herangewachsene Firma. Die Anfangszeiten des kleinen Unternehmens waren dabei allerdings alles andere als leicht. Weinerts Prämisse, eine Firma gesund wachsen zu lassen, hatte dabei nicht nur Vorteile. Denn anders als zum Beispiel durch die Unterstützung eines Venture-Capital-Gebers, der über die notwendige Liquidität verfügt ein Firmenkonzept vorzufinanzieren, startete Weinert klein. „Es wurde halt nur Geld ausgegeben, das auch mit der Firma verdient wurde. Problematisch wird es, wenn man dem Kunden eine Visitenkarte geben will, aber zuerst von ihm das Geld dafür benötigt, diese drucken zu lassen“, sagt Weinert und rückt sich seine Brille zurecht.

    cs&m, Radsport und Radio

    Trotz der Firmengründung von cs&m, trotz einer anfänglich mühseligen Gründungsphase und einem straffen Zeitplan fuhr Weinert weiterhin kleine Radrennen und in der wenigen Zeit die ihm noch zwischen Bürostuhl und Fahrradsattel blieb, befasste er sich mit einer schon seit vielen Jahren schwelenden Begeisterung: dem Radio.
    Die Affinität für diese Form des inzwischen vielleicht schon etwas nostalgisch anmutenden, medialen Sprachrohrs, entfachte in ihm die Idee, irgendwie doch noch zum medial vernachlässigten Radsport zurückzukehren: Ein Radiosender nur für Radsport-Begeisterte. Egal ob Mountainbike oder Straße. Mit Musik, Informationen, Nachrichten und Hintergrundberichten – alles online. Mit einem neunköpfigen Team aus festangestellten und freien Mitarbeitern bildete er 2014 ein schlagkräftiges Team aus Kreativen, Radiomachern und Redakteuren, um den Radiosender auf die Beine zu stellen. „Wir produzieren gerade fleißig vor und forcieren Beiträge. Aus jeder Rosine ist inzwischen eine Melone geworden und davon sind es momentan noch einfach zu viele. Wir arbeiten hart an der Sache. Alles Weitere zeigt die Zukunft“, gibt er zu Protokoll.

    Radio als Erfüllung eines Traums

    Für Weinert ist das Radio letztlich eine weitere Erfüllung seines Traums. Radsport, Radio und eine funktionierende Softwarefirma im Rücken. Die Begeisterung für diese Unternehmens-Symbiose ist dem 33-Jährigen anzumerken. „Ich mache gerade ein Sprech-Coaching, da ich natürlich auch selbst Beiträge sprechen möchte. Da wird schon ein Traum wahr“, gibt er stolz, aber auch ein wenig verlegen zu.

    Sebastian Weinert ist die Verabredung mit dem richtigen Zeitpunkt gelungen

    Als Gründerattitüde nimmt er sich nicht die deutsche, sondern die amerikanische Unternehmenskultur zum Vorbild, bei der ein etwaiger Misserfolg nicht mit einem persönlichen Scheitern gleichgesetzt wird. Das vermeintliche Risiko, ein Unternehmen zu gründen, benötigt Geduld und Durchhaltevermögen. Planung und Kozeptionierung sind dabei genauso wichtig wie der Wunsch, die eigenen Träume zu verwirklichen. Diese Motivation möchte er auch gerne weitergeben. „Einfach machen! Einfach probieren! Sollte es dann doch nicht funktionieren, bist nicht Du gescheitert, sondern das Business.“

    Das Gespräch führte Max Marquardt.